Die Zeit ist reif. Unternehmen, die ihre Zukunft sichern wollen, müssen verstehen: Die wichtigste Ressource ist nicht die Software, nicht die Marge, nicht die Organisation. Es ist der Mensch! Ohne ihn läuft nichts und hier liegt der Hebel für Erfolg oder Scheitern.
Ich wünsche mir, dass die folgenden Zeilen und Gedanken meines letzten Praxisimpuls für dieses Jahr die Leser:innen zum Überlegen und bei Bedarf gar zum Handeln anregen.
Warum eine Führung mit Menschlichkeit heute unverzichtbar ist
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Kundenerwartungen, Technologien, Lebensentwürfe – alles ist im Wandel. Da ziehen oft nur noch Unternehmen, die schnell reagieren und Lösungen finden, Talente und Kundschaft an. Firmen hingegen, die in alten Mustern verharren, verlieren Schritt für Schritt ihre Attraktivität, aber auch sie werden nicht darum herumkommen, sich früher oder später neu zu erfinden.
Ich bin überzeugt, die grosse Kündigungswelle der letzten Jahre ist kein «Launenphänomen». Viele Menschen haben ihre Stelle bewusst aufgegeben, um in ein gesünderes Umfeld zu wechseln, ein faire(re)s Gehalt zu erhalten oder nach langem Stillstand wieder eine Entwicklungschance zu spüren. Und ich treffe fast wöchentlich auch solche, die Sinn und Wertschätzung suchen oder einfach einen Ort, an dem sie als Mensch wahrgenommen werden. Dieses Umdenken hat manche Unternehmung auf den Kopf gestellt und endlich sichtbar gemacht, wie weit Realität und Bedürfnis vieler Erwerbstätiger auseinanderliegen.
Menschen wollen arbeiten, aber nicht um jeden Preis. Sie suchen ein Umfeld, das ihnen Halt gibt, Wachstum ermöglicht und sie als Mensch achtet. Dass so viele ihre Stelle gewechselt haben, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass dies in zahlreichen Unternehmen jedoch keine Selbstverständlichkeit ist. Nach wie vor steht nicht der Mensch im Mittelpunkt, sondern seine Arbeitsleistung. Doch Firmen, die nicht einsehen wollen, dass Arbeitskraft nicht ohne den Menschen existiert, produzieren Fluktuation und verlieren schlussendlich.
Der Druck für die Unternehmen steigt
Ich habe mich tiefer mit diesem Thema auseinandergesetzt und da zeigen Langzeitstudie deutlich, dass sich zwischen 40 bis 50% der Beschäftigten zwischen 18 und 39 Jahren nach neuen Herausforderungen sehnen. Für mich beinhalten solche Zahlen eine klare Botschaft: Warten oder gar die Augen verschliessen ist keine Option! Wer erfolgreich bleiben möchte, muss die Bedürfnisse der Menschen ernst nehmen. Sei es beim Recruiting, in der Führung und im Alltag. Weiterentwicklung, faire Bedingungen, gegenseitige Rücksichtnahme und Vertrauen sind essenziell, um Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten. Wer daran spart, zahlt später den höheren Preis. Und zwar mit Know-how-Verlust, Rekrutierungskosten, unzufriedenen Teams und dem Ruf, ein Unternehmen ohne Zukunft zu sein.
Menschliche Führungskultur. Was bedeutet das?
«Erst kommt der Mensch» ist für mich keine Wohlfühlparole. Es ist eine Haltung. Wer dieses Prinzip lebt, erkennt, dass Menschen mit all ihren Stärken, Bedürfnissen, Grenzen und Lebenssituationen zum Fundament des Erfolges eines Unternehmens gehören. Menschliche Führungskultur bedeutet in meinen Augen und anderem:
- aktiv zuzuhören, statt zu wissen
- zu begleiten, statt zu diktieren
- Verantwortung zu teilen, statt zu kontrollieren
Es bedeutet, Mitarbeitende zu kennen, zu fördern und ernst zu nehmen. Nicht nur, wenn es gerade passt, sondern grundsätzlich, jeden Tag. Ja, das braucht Zeit und manchmal auch Mut. Veränderung fordert immer die Bereitschaft, liebgewonnene Kontrollmechanismen oder alte Gewohnheiten loszulassen. Und es bedeutet auch, sich mit unangenehmen Fragen auseinanderzusetzen. Zum Beispiel:
- Wie führen wir eigentlich?
- Fördern wir unsere Leute wirklich?
- Können Mitarbeitende mitreden?
- Sind Entscheidungen transparent?
- Arbeiten wir miteinander oder nur nebeneinander?
Eine ehrliche Antwort kann schmerzen, aber ohne diese Selbstreflexion bleibt alles beim Alten. Versprochen!
Woran die Einstellung «Erst kommt der Mensch» oft scheitert (und wie es doch gelingen kann)
Unternehmen kämpfen oft mit denselben Problemen: Ein belastendes Arbeitsumfeld, fehlende Wertschätzung und zu hoher Druck führen bei Mitarbeitenden zu Überforderung und psychischen Belastungen. Doch gute Führung entsteht meiner Meinung nach nicht von allein, sondern durch Präsenz, ehrliches Interesse und vor allem offene und verbindliche Kommunikation.
Mitarbeitende brauchen Orientierung und gleichzeitig Raum, um sich einzubringen. Moderne Zusammenarbeit basiert auf Agilität: Verantwortung wird – wo möglich – geteilt, Entscheidungen werden dort gefällt, wo das Wissen liegt, und Transparenz ist Pflicht.
Lernen und Weiterentwicklung müssen fester Bestandteil der Unternehmenskultur sein, und da sehe ich im Umgang mit Fehlern einen grossen Knackpunkt. Hier geht es um Haltung, nicht um Schuld. Fehler gehören dazu, sie sind Teil der Entwicklung. Im Mittelpunkt sollte das Reflektieren, das Lernen und das Vorwärtsgehen sein. Nur so entsteht ein Klima, in dem Menschen auch wachsen können. Dies führt zu grösserer Einsatzbereitschaft, höherer Motivation und der Identifikation mit dem Unternehmen.
Mein Fazit
Für mich ist es klar: erst kommt der Mensch, dann der Rest! Denn Unternehmen sind in höchstem Mass auf Menschen angewiesen. Diese Abhängigkeit ist grösser, als viele zugeben wollen. Die junge Generation ist nicht bereit, sich aufzuopfern. Sie geht dahin, wo sie gesehen und respektiert wird. Wer das ignoriert, verliert heute schneller als früher, manchmal sogar über Nacht.
Ich bin überzeugt, eine menschliche Führungskultur ist keine Illusion, sondern Notwendigkeit, denn sie schafft Bindung. Wer Menschen stärkt, stärkt sein Unternehmen. Und Wandel beginnt mit Reflexion und Aufmerksamkeit. Damit im neuen Jahr wieder mehr Arbeitnehmende mit Freude und Motivation ihrer Arbeit nachgehen.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern wunderbare, ruhige, genussvolle Festtage und natürlich ein erfolgreiches 2026!.
Anmerkung: Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermassen für alle Geschlechter.